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		<title>WORTBRUCH</title>
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		<title>Forschungsfreiheit oder Macht der Lobbyisten?</title>
		<link>http://projektwortbruch.wordpress.com/2009/07/20/forschungsfreiheit-oder-macht-der-lobbyisten/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 17:49:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sarsifa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.

Kaum ein anderes Land hat der Forschungsfreiheit als Bestandteil seiner Verfassung einen so hohen Stellenwert eingeräumt wie Deutschland – die Forschungsfreiheit ist im Artikel 5 des Grundgesetzes verankert. Und auch in anderen Ländern Europas herrscht ein ähnlich liberales Recht. Forschungsfreiheit – das klingt großartig: keine Einmischung von staatlicher Seite, keine Rechenschaft ablegen müssen, ohne Zwänge und Ängste seiner wissenschaftlichen Arbeit nachgehen können. Aber inwiefern greift dieses Grundrecht tatsächlich? <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=projektwortbruch.wordpress.com&amp;blog=8150481&amp;post=46&amp;subd=projektwortbruch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei</em>.  Kaum ein anderes Land hat der Forschungsfreiheit als Bestandteil seiner Verfassung einen so hohen Stellenwert eingeräumt wie Deutschland – die Forschungsfreiheit ist im Artikel 5 des Grundgesetzes verankert. Und auch in anderen Ländern Europas herrscht ein ähnlich liberales Recht. Forschungsfreiheit – das klingt großartig: keine Einmischung von staatlicher Seite, keine Rechenschaft ablegen müssen, ohne Zwänge und Ängste seiner wissenschaftlichen Arbeit nachgehen können. Aber inwiefern greift dieses Grundrecht tatsächlich? <span id="more-46"></span></p>
<p>Wie bei vielen Grundrechten der Fall werden sie in ihrer Gültigkeit eingeschränkt, wenn das Leben, die Freiheit oder das Eigentum Dritter gefährdet wird. Besonders empfindlich reagiert der Gesetzgeber, wenn es um Tier- und Naturschutz, Gentechnik oder Datenschutz geht, denn hier besteht eine besonders hohe Gefahr, dass die Forschungsfreiheit mit anderen Werten in Konflikt gerät. Aber auch im alltäglichen Leben muss sich die Forschungsfreiheit anderen Gesetzen unterordnen. Vorschriften müssen beachtet werden und Genehmigungen für viele Vorhaben eingeholt werden – der Forscher ist schließlich nicht von jeder Gesetzespflicht entbunden. Dies kann schon mal zum Scheitern eines Projektes führen, da sich unüberwindbare bürokratische Hindernisse auftun können. Inwieweit ist beispielsweise der Forschungsbetrieb innerhalb eines Naturschutzgebiets erlaubt? Wir brauchen Daten über die Entwicklung und den Zustand des Gebietes, die dort lebenden Arten und den Einfluss des Menschen, sagen die einen. Lasst das Gebiet unberührt, Forschungsaktivitäten stören die natürlichen Funktionen des Ökosystems, sagen die anderen. Und der Beamte, der die Forschungsaktivitäten genehmigen soll, weiß auch nicht genau, was nun richtig ist und lehnt den Antrag sicherheitshalber erstmal ab.</p>
<p>Ist die Forschungsfreiheit also nur im stillen Kämmerlein gewährt?</p>
<p>Sehen wir uns doch mal ein bisschen genauer an, wie die Forschungsmaschinerie eigentlich funktioniert. Das Bild vom ergrauten Professor, der umringt von verstaubten Büchern in einem abgedunkelten Büro lange unverständliche Texte verfasst, oder im weißen Kittel im Labor steht und bunte Flüssigkeiten zusammen mischt ist natürlich ein seit langem veraltetes Klischee (welches gleichwohl trotzdem immer noch gerne verwendet wird). Wie aber sieht der Alltag eines Wissenschaftlers wirklich aus? Häufig besteht er zu großen Teilen aus administrativer Arbeit, die als Hauptziel die Beschaffung von Geldern hat. Denn Gelder sind nötig, auch wenn der Forscher selbst eine unbefristete Stelle an einer Forschungseinrichtung sicher hat. Denn für Geräte, Laboreinrichtungen, Materialien und vor allem Mitarbeiter stellt der Arbeitgeber oft keine Mittel bereit, so dass diese über Drittmittel finanziert werden müssen. Dies sind alle Finanzierungen, die nicht direkt aus dem Etat der Forschungseinrichtung stammen, also von privatwirtschaftlichen Investoren, Forschungsförderungen (wie z.B. der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG), privaten oder öffentlichen Stiftungen, Ministerien oder der Europäischen Union. Besonders die Wirtschaft gibt sich gern großzügig, wenn es um die Erforschung ihr zuträglicher Erkenntnisse oder um die Entwicklung neuer Substanzen oder Geräte geht. Mit dieser Auftragsforschung ist zwar oft die finanzielle Seite eines Projekts geregelt, aber der Geldgeber erwartet im Gegenzug ein zielgerichtetes, profitables Ergebnis. Die Freiheit, seinen eigenen Ideen freien Lauf zu lassen und eigene Projekte zu verwirklichen, muss der Wissenschaftler dafür aufgeben.</p>
<p>Wer keinen Bund mit den Mäzenen aus der Wirtschaft schließen will, sollte sich daher an andere Geldgeber wenden. Aber wie genau funktioniert nun diese Beschaffung von Drittmitteln, woher kommen die Gelder und wie werden sie verteilt? Nehmen wir als Beispiel die Europäische Union, eine der größten Geldgeberinnen im europäischen Raum. Die EU unterhält seit 1984 ein sogenanntes Forschungs-Rahmenprogramm (RP). Diese Rahmenprogramme laufen für mehrere Jahre und haben jeweils ein Budget, das für Forschungszwecke ausgegeben werden kann. Zurzeit befinden wir uns im 7. Rahmenprogramm, das sich über sieben Jahre (2007-2013) erstreckt. Das Gesamtbudget beträgt über 50 Mrd. Euro, diese Summe hat sich im Vergleich zum sechsten Rahmenprogramm um 63% erhöht. Die EU scheint also viel auf Forschung zu geben. Angesichts des anhaltenden „brain drain“ ist es verständlich, dass die EU Anreize für wissenschaftliche Tätigkeiten in Europa schaffen möchte um dieses Abwandern zu stoppen. Zu diesen Maßnahmen gehört auch die Schaffung eines europäischen Forschungsraums (European Research Area, ERA), in dem die Vernetzung der Staaten und Forschungseinrichtungen im Vordergrund stehen.</p>
<p>Innerhalb ihrer Rahmenprogramme setzt die EU weitere Akzente. Dies sind keine wirklichen Forschungsschwerpunkte, sondern grob angegebene Förderrichtungen. So sind die Förderungen im  derzeitigen RP7 in fünf große thematische Blöcke aufgeteilt: Vergabe von Einzelstipendien, Förderung konkreter Forschungsprojekte, Aufbau von Forschungsnetzwerken, Pionierforschung und Kernforschung. Innerhalb dieser fünf Blöcke werden nun konkrete Förderungen vergeben und geschieht durch so genannte „Aufrufe zur Einreichung von Vorschlägen“. Diese Aufrufe decken ein spezifisches Forschungsgebiet ab, so dass Wissenschaftler sich regelmäßig informieren müssen, wann ein Aufruf für ihr spezielles Gebiet veröffentlicht wird. Zusammen mit dem Aufruf – also einer groben Beschreibung des zu fördernden Projekts – werden die Antragsformulare veröffentlicht, die die Struktur des Antrags vorgeben. Die Aufgabe des Wissenschaftlers ist es nun, anhand dieser Struktur möglichst konkret zu beschreiben, wie er sich die Umsetzung des von der EU vorgeschlagenen Projekts vorstellt. Dazu gehört eine Beschreibung aller Partnerinstitutionen (da die meisten Forschungsaktivitäten im Block „Zusammenarbeit“ stattfinden ist meist eine Anzahl internationaler Institutionen gefordert), ihrer Aufgaben, die Beschreibung der Managementstruktur des Projekts, ein Finanz – und Zeitplan, eine Begründung, warum das vorgeschlagene Projekt förderungswürdig ist und welchen Nutzen es für Europa und die Gesellschaft beinhaltet.</p>
<p>Alle eingereichten Anträge werden dann nach Ablauf der Frist von einem Gutachterkomitee bewertet. Dieses Komitee besteht aus Experten des betreffenden Bereiches, also meist ebenfalls Wissenschaftlern. Die Bewertungskriterien sind im Voraus festgelegt, und der Vorschlag mit der höchsten Bewertung erhält den Zuschlag.</p>
<p>Soweit, so gut. Fairer Prozess, bei dem alle die gleichen Chancen haben. Zumindest theoretisch. Allerdings wird ein wichtiger Faktor hier nicht berücksichtigt: Lobbyarbeit.</p>
<p>Brüssel ist das Paradies der Lobbyisten. Ganze Straßenzüge sind hier mit Büros von Interessenvertretungen gepflastert, schätzungsweise 25.000 Lobbyisten gehen ihrer Arbeit in Brüssel nach – das entspricht etwa der Zahl der Beamten, die für die EU arbeiten. Natürlich darf auch die Wissenschaftslobby nicht fehlen, auch wenn sie längst nicht so einflussreich ist wie die Wirtschaftslobby. Diese Lobbyisten sind meist ebenfalls Wissenschaftler, die versuchen, ihren Forschungsbereich möglichst attraktiv zu präsentieren und den Beamten und Abgeordneten nahe zu bringen. Lobbyarbeit an sich ist also nichts Schlechtes, auch wenn der Begriff oft negativ belegt ist. Die in Brüssel angesiedelten Vertreter informieren die Entscheidungsträger über die oft sehr komplexen Zusammenhänge der einzelnen Fachrichtungen und geben richtungweisende Empfehlungen bezüglich förderungswürdiger Forschungsbereiche. Hier jedoch entsteht zwangsläufig ein Konflikt in Bezug auf die Forschungsfreiheit. Bestimmte Fachbereiche, insbesondere die „Exoten“, können sich eine Lobby in Brüssel weder finanziell noch personell leisten. Wenn aber die Entscheidungsträger nicht über diese Bereiche informiert werden, werden auch keine thematisch passenden Aufrufe veröffentlicht. Woher also das Geld für die Forschung beschaffen? Brüssel hat hier – zumindest theoretisch – ein Instrument geschaffen, das auch die unbekannten Forschungsbereiche abdeckt: das „Ideen“-Programm. Dieses Programm lässt Anträge aus allen Forschungsbereichen zu, das einzige Kriterium ist „Novelty“ – neue, bahnbrechende Ideen, die die Wissenschaft vorantreiben und auch ein gewisses Risiko beinhalten dürfen. Ist jedoch der betreffende „exotische“ Forschungsbereich weit von diesen bahnbrechenden Ideen entfernt, so fällt eine Förderung durch das Ideen-Programm ebenfalls aus. Im schlimmsten Fall muss sich der betreffende Wissenschaftler irgendwann ein neues, profitableres Gebiet suchen.</p>
<p>Ein Beispiel für ein solch langsames „Austrocknen“ eines Forschungsbereichs ist die Systematik, der Bereich der Biologie, der sich mit der Entdeckung und Beschreibung neuer Arten beschäftigt. Viele Biologen, zunächst als Systematiker ausgebildet, widmen sich mehr und mehr anderen Themen wie  Ökologie, Genetik oder Bioinformatik, einfach aus dem Grund, dass Fördergelder für systematische Untersuchungen schwer aufzutreiben sind. Dies ist verwunderlich angesichts der Tatsache, dass der globale Klimawandel – in den letzten Jahren in aller Munde – zwangsweise ein Artensterben mit sich bringt. Wie aber sollen wir erkennen, ob wir wirklich einen Schwund der Artenvielfalt erleben, wenn wir gar nicht wissen, was wirklich auf unserem Planeten lebt? Diesen „Katalog“ zu erstellen ist Aufgabe der Systematik – jedoch scheint diese Forschungsrichtung selbst in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ zu fallen, und wird meist nur noch „nebenbei“ praktiziert. Und von der immer wieder laut werdenden Warnung, dass die meisten noch unbekannten Arten auf unserer Erde noch vor ihrer Entdeckung ausgestorben sein werden, gibt sich die Politik scheinbar unbeeindruckt. Von den Medien öffentlichkeitswirksam vermarktet, bahnt sich der Umwelt- und Klimaschutz zwar immer wieder für eine kurze Zeit einen Weg in das gesellschaftliche Bewusstsein – zuletzt in den achtziger Jahren mit dem Kampf gegen die Abholzung des Regenwalds, jetzt im Fahrwasser der Klimaschutzdebatte – das Interesse der Politiker an diesen Themen scheint jedoch jedes Mal recht schnell wieder zu erlahmen, und in großem Rahmen förderwürdig scheint der Umwelt- und Klimaschutz auch nicht zu sein. Stattdessen spiegelt sich im Förderprogramm der EU die Macht der großen Wirtschaftszweige und ihrer starken Lobby wieder: Umwelt- einschließlich Klimaschutz erhält ein Gesamtbudget von 1,8 Mrd. Euro zugeteilt. Die Kernforschung hingegen erhält ein eigenes thematisches Programm „Euratom“ mit einem Budget von ca. 3,2 Mrd. Euro – fast doppelt so viel wie dem Klima- und Umweltschutz zugedacht wird</p>
<p>Wieder einmal haben also die Mächtigen gewonnen und die Forschung ist zur Auftragsforschung verkommen. Auch wenn die Investoren zunächst politische Instrumente sind, steht hinter ihnen doch unübersehbar der Einfluss der Wirtschaft und ihrer Lobby. Es bleibt zu wünschen, dass die Politik als Geldgeber irgendwann noch ein wenig unabhängiger und risikofreudiger wird, so wie es mit dem Ideen-Programm bereits begonnen wurde, und mehr Fördermittel zur freien Verfügung bereitstellt. Ansonsten wird sich die Forschungsfreiheit in Zukunft neu definieren müssen – als Maß für die Macht der Lobbyisten in Brüssel.</p>
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		<title>Was tun?</title>
		<link>http://projektwortbruch.wordpress.com/2009/06/21/was-tun/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Jun 2009 17:42:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>neunmalklug</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Arbeit gleich Erwerbsarbeit. So lautet die dominante und vordergründige Gleichung in der politischen Öffentlichkeit. Gearbeitet wird um zu essen und zu wohnen. Und um darüber hinaus am sozialen und kulturellen Leben und Wohlstand teilzuhaben. Zunehmend ist diese Erwerbsarbeit jedoch ungleich verteilt: in der Umweltinitiative wird ebenso „entgrenzt“ gearbeitet wie der Arbeitstag in der Wirtschaftsberatung den Zusatz „-nacht“ verdient hätte. Auf der anderen Seite dieser Arbeitswelt treffen sich die scheinbar Nutzlosen und finanziell Benachteiligten dieser ungleichen Verteilung von Arbeitszeit.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=projektwortbruch.wordpress.com&amp;blog=8150481&amp;post=23&amp;subd=projektwortbruch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Arbeit gleich Erwerbsarbeit. So lautet die dominante und vordergründige Gleichung in der politischen Öffentlichkeit. Gearbeitet wird um zu essen und zu wohnen. Und um darüber hinaus am sozialen und kulturellen Leben und Wohlstand teilzuhaben. Zunehmend ist diese Erwerbsarbeit jedoch ungleich verteilt: in der Umweltinitiative wird ebenso „entgrenzt“ gearbeitet wie der Arbeitstag in der Wirtschaftsberatung den Zusatz „-nacht“ verdient hätte. Auf der anderen Seite dieser Arbeitswelt treffen sich die scheinbar Nutzlosen und finanziell Benachteiligten dieser ungleichen Verteilung von Arbeitszeit.<span id="more-23"></span></p>
<p>Eine Umverteilung von Arbeit kann aber nicht nur gerecht und zudem ökonomisch sinnvoll sein, sondern drängt zu weiteren Fragen: Was machen Menschen, wenn sie nicht für Lohn und Brot arbeiten? Sind sie in einem philosophischen Sinne der Arbeit aus eigenem Willen schöpferisch produktiv? Und was sagt die Psychologie zum Verhältnis zwischen jener zum Lebensunterhalt notwendigen und der eigenverantwortlichen Tätigkeit in der so genannten Freizeit?</p>
<p>In der derzeitigen Wirtschaftskrise lebt die Diskussion um Arbeitszeitverkürzungen wieder auf. Gewerkschaften fordern – und schließen damit an eine alte Strategie an – die Umverteilung von Arbeit, um bestehende Arbeitsplätze zu sichern. Berthold Huber schlägt als Vorsitzender der IG Metall das Ausschöpfen aller Mittel vor: Kurzarbeit, Förderung der Altersteilzeit, flexible Regeln zum früheren Eintritt in die Rente und Arbeitszeitverkürzungen. Freie Zeiten sollten zur Qualifikation genutzt werden, Lohneinbußen könnten durch staatliche Hilfe kompensiert werden.</p>
<p>Doch denken wir über die aktuelle Krise hinaus. Vollbeschäftigung schwirrt als Ziel der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik zwar noch hin und wieder durch den politischen Raum, realistisch erscheint sie jedoch nicht. Denn unbefristete Vollzeitstellen, die vollständig in die sozialen Sicherungssysteme integriert sind (Normalarbeitsverhältnis), befinden sich auf dem Rückzug. Mit dem  Begriff „Prekarisierung“ werden die daraus entstehenden Risiken beschrieben: niedrige Einkommen, instabile Arbeitsplätze und unzureichende soziale Sicherungen genauso wie Arbeitsstress, gefühlte Arbeitsplatzunsicherheit und gesundheitliche Aspekte.</p>
<p>Gleichzeitig lassen sich mit weniger Arbeitskraft und in kürzerer Zeit mehr Güter und Dienstleistungen erstellen. Musste man 1960 durchschnittlich noch 11 Minuten arbeiten, um einen halben Liter Milch zu kaufen, reichten dafür im Jahr 2007 3 Minuten. Wofür sollte diese Produktivitätssteigerung genutzt werden, wenn nicht dafür, einer Gesellschaft größere Freiheit in der Gestaltung ihrer Zeit zu geben? Oder philosophisch gefragt: Was wollen wir eigentlich mit unserer Lebenszeit anstellen?</p>
<p>Über praktische Fragen hinaus und die wissenschaftliche Diskussion, welche ersten Schritte zu einer anderen Erwerbsgesellschaft umsetzbar sind, scheint bereits jetzt eines deutlich: die aktuelle Arbeitsverteilung prägt unser Verständnis von Arbeit und dessen Bedeutung. Voraussetzung für den Wandel zu einer neuen Verteilung der Arbeit ist ein „Mentalitätswechsel“. Dass Arbeit nicht nur im Büro, der Werkstatt oder im Krankenhaus stattfindet, zeigt die Diskussion um die Familienarbeit von Hausfrauen und -männern. Und arbeiten Schüler und Studentinnen eigentlich nicht? Sogar Kleinkinder arbeiten – spielend, aber nicht immer leicht.</p>
<p>Aus der psychologischen Forschung zur Freiwilligenarbeit gibt es Hinweise, dass „freiwillige“ Arbeit gänzlich anderen Handlungsanreizen folgt als Lohnarbeit. Menschen sind zuerst aus eigenem Antrieb heraus tätig (intrinsisch), während diese Motivation durch Geld, Prestige oder Macht noch gesteigert werden kann. Oder auch ausgebeutet. So ist eine häufige Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis zur Freiwilligenarbeit: „Für Geld würde ich das nicht machen“.</p>
<p>Was würden wir tun, wenn wir zur Existenzsicherung nicht mehr arbeiten müssten? In einer Untersuchung antworteten zwei Drittel der Befragten zu diesem Gedankenexperiment, sie würden unter veränderten Bedingungen weiterarbeiten. Der Antrieb zu einer Tätigkeit hängt demzufolge nicht (allein) an der Existenzsicherung. Zugleich zeigt sich an dem Wunsch nach anderen Bedingungen die Kritik an aktuellen Formen der Erwerbsarbeit.</p>
<p>Sind also die so genannten 1-Euro-Jobs Vorreiter einer neuartig arbeitenden Gesellschaft? Hoffentlich nicht! Schon die aktuelle Verteilung der Arbeit verläuft nicht parallel zur Verteilung von Arbeitseinkommen. Atypisch Beschäftigte mögen viel arbeiten und sind dennoch einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt. Sie sind Teil der working poor, jener Menschen, die trotz (vermeintlich Wohlstand sichernder) Erwerbsarbeit von Armut betroffen sind.</p>
<p>Die Betonung der intrinsischen Tätigkeit des Menschen kann vor diesem Hintergrund nicht als Ausrede für schlecht entlohnte Arbeit gelten. Das Motto muss lauten: Mehr frei zu bestimmende Zeit bei gleichem Wohlstand. Denn wofür und vor allem für wen sollte die Produktivitätssteigerung sonst verpuffen?</p>
<p>Freiwillige und gemeinnützige Arbeit, grundsätzlich die Arbeit in der so genannten Freizeit, zeichnet sich durch den Anspruch auf Eigenverantwortung und Autonomie aus. Nicht die Gewinnziele des Unternehmens, die eigene Lohnentwicklung oder ein sicherer Vertrag stehen im Vordergrund, sondern die Diskussion um richtungsgegebende, nützliche und herausfordernde Aufgaben. Welchen gesellschaftlichen Fortschritt kann eine bessere Verteilung der Arbeitszeit ausmachen!</p>
<p>Die Auflösung der Gleichung Arbeit=Erwerbsarbeit setzt auch das Verhältnis von Arbeit und Freizeit in eine neue Beziehung. Freizeit kann und wird mehr sein als jene kurze Zeit, die nach der Arbeit zum Konsum des Lohnes in Shoppingcentern am Stadtrand genutzt bzw. verbraucht wird.</p>
<p>Weniger Erwerbsarbeit ist möglich, das zeigt die wissenschaftliche Debatte. Es bedeutete mehr kreatives Potenzial und intensivere Diskurse über die Sinnhaftigkeit menschlichen Handelns und Arbeitens.</p>
<p>Arbeit ungleich Erwerbsarbeit. Dieser Neuformulierung bedarf es, um Arbeit im Privaten eine andere Rolle zu geben und in der politischen Arena auf eine andere Verteilung von Erwerbsarbeit hinzuarbeiten.</p>
<p>JP</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Das Denken den Pferden überlassen?</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 21:10:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>techtelmechtel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles begann mit Patent GB 176900913. Hier liegt der Ursprung der modernen Lebensweise. Seit diesem Zeitpunkt begegnet das ungeschulte Auge des Laien in allen täglichen Bereichen der unvorstellbar mächtigen Kraft der Technik. Da tanzen riesige Scheiben aus gegossenem Stahl mit kleinen Zahnrädern Walzer, mit unermüdlicher Ausdauer angetrieben von langen Stangen, die aussehen wie die dünnen, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=projektwortbruch.wordpress.com&amp;blog=8150481&amp;post=21&amp;subd=projektwortbruch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alles begann mit Patent GB 176900913. Hier liegt der Ursprung der modernen Lebensweise. Seit diesem Zeitpunkt begegnet das ungeschulte Auge des Laien in allen täglichen Bereichen der unvorstellbar mächtigen Kraft der Technik. Da tanzen riesige Scheiben aus gegossenem Stahl mit kleinen Zahnrädern Walzer, mit unermüdlicher Ausdauer angetrieben von langen Stangen, die aussehen wie die dünnen, drahtigen Beine einer Spinne. Die Akustik dieses erbarmungslosen Voranschreitens der Spinnenbeine vereinigt sich mit dem Spackern öliger Zylinder und dem rauschenden Ablassen heißer Luft aus den verrosteten Ventilen übergroßer Rohrleitungen zu einem sonoren Marsch. Jede Bewegung ist vorbestimmt, jede Konsequenz ist vorhersagbar. Der Marschbefehl in eine rußschwarze Zukunft, ausgerufen mit der Erfindung der Dampfmaschine.</p>
<p><span id="more-21"></span></p>
<p>Die Dampfmaschine als Triebkraft für unser Produktionssystem ist seit dem Beginn des postindustriellen Zeitalters überholt. Die Dampfmaschine als Ordnungsprinzip unseres gesellschaftlichen Lebens jedoch bleibt ein Einfluss, dem sich die Menschen auch heute schwer entziehen können. Der Takt der Maschine dominiert nicht mehr nur die Fabrikhallen. Auch in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen ist der Mensch von der Technik abhängig geworden. Letztlich haben sich der Technik zugrunde liegende Imperative fest in unserer Denk- und damit auch in unserer Lebensweise verankert. Das ist, wie ich aufzeigen werde, ein Problem.</p>
<p>Erst kürzlich schrieb der nicht gerade für seine revolutionären Geistesblitze bekannte Ernst-Wolfgang Böckenförde, dass der Kapitalismus die Eigenschaft hat „alle Lebensbereiche in seine Funktionslogik einzubeziehen, sofern sie auch eine ökonomische Seite haben – was auf dem Feld der Kultur und persönlichen Lebensgestaltung sehr weitgehend der Fall ist“.</p>
<p>Es geht aber noch weiter. Die kapitalistische Logik greift nicht nur auf Felder unseres Lebens über, sonder dringt sogar bis in unsere Fähigkeit zu Denken vor. Damit meine ich, dass wenn wir zur Schule gehen, wenn wir studieren oder täglich unseren Arbeitsplatz aufsuchen, einem vorbestimmten Schema folgen, von dem wir annemen, es sei der einzig richtige Weg, uns in einer komplexen Umgebung zurecht zu finden. Wir wollen nicht untergehen in einer Welt, die uns von Beginn unserers Lebens an stets als ein unliebsames Etwas verkauft wird, das es zu bezwingen gilt.</p>
<p>Wir alle teilen diese Ansicht indem wir argumentieren, dass wir nur durch das optimale Befolgen der Regeln <em>unserer</em> Ordnung <em>unseren</em> Bedürfnissen gerecht werden können (also möglichst fleißig arbeiten, möglichst effizient lernen, und das möglichst erträglichste Studium ‚wählen‘). Über tatsächliche alternative Lebenswege machen wir uns kaum Gedanken. Sogar in Krisenzeiten wird uns oftmals vorgehalten, dass es zum Optimismus keine Alternative gäbe. Das meine ich, wenn ich sage, dass das genau vorkalkulierte Leben dem Prozess der Technik nicht unähnlich ist: Unsere Gedanken und Bewegungen sind so geradlinig und berechenbar wie Zahnräder einer Uhr ineinander greifen.</p>
<p>Es geht mir jetzt nicht um die Unterscheidung Meister-Sklave. Vielmehr möchte ich auf eine von uns allen geteilte Denkweise aufmerksam machen, die uns das Zaumzeug auferlegt hat. Irgendwo zwischen Industrialisierung und Fortschritt ist uns das Ruder aus der Hand geglitten und jetzt steuert das Dogma des Sachzwangs.</p>
<p>Es ist wahr, dass besonders in Zeiten der Krise die Schwerfälligkeit, sich auf Alternativen einzulassen, offensichtlich wird. Die kleinen Reförmchen die wir vorhaben sind eben notwendig um wieder auf dem guten alten Wachstumspfad pilgern zu können. Die ideologischen Grundsteine unseres Denkens lassen uns alle nur wünschen, dass bald alles wieder so ist, wie es vor einigen Jahren noch war. Im Grunde wollen wir doch gar nicht, dass sich irgendetwas ändert. Wandel ist uns zutiefst zuwider! Wenn wir einen Schuldigen für unser langweiliges Dasein suchen, dann sollten wir zunächst bei uns anfangen.</p>
<p>Aber auch eine Rebellion gegen diese Art des Lebens muss gut bedacht sein. Die Angewohnheit, über dogmatische Kategorien jedem Kompromiss die Legitimität abzusprechen lauert hinter allen Ecken. Ha, das wäre ja was: Nachher sitzen wir im Kommunismus schon wieder auf dem Sofa und drehen Däumchen!</p>
<p>Wie können wir also der so berühmten ‚goldenen Zwangsjacke‘ – die Person, die drinne steckt wird wissen wieviel ihr das Gold nützt – entkommen? Ich denke, es muss dazu die Frage nach dem Politischen gestellt werden.</p>
<p>Ist es politisch, all den Imperativen zu folgen, die von einem vorgedachten statischen Gedankengerüst auferlegt werden? Ist nur der Mensch ein Politischer, der es versteht, der Realität bestimmte Dogmen aufzuzwängen um daraus Handlungsanweisungen zu formulieren? Leszek Kolakowski sang einmal das Loblied auf die Inkonsequenz. Und auch ich denke, dass der politische Mensch fähig sein muss, Kompromisse einzugehen. Damit plädiere ich für eine Sicht des Politischen, die zunächst etwas seicht erscheinen mag. Sie betont aber etwas, dass bei allen ideologischen Grabenkämpfen übersehen wird: Dass jede Situation, mit der wir konfrontiert werden, stets auf die Haltbarkeit der Maßstäbe, mit der wir sie bewerten, geprüft werden muss. Die Sturheit eines radikal-ideologischen Denkens zerstört am Ende noch mehr als es positive Dinge wieder aufbaut. Zwischen den Fronten unseres Denkens muss möglicherweise vermittelt werden.</p>
<p>Dass mich keiner falsch versteht: Ideologie ist wichtig. Sie soll den Referenzpunkt unseres Handelns darstellen. Sie sagt uns, wo wir zustimmen, und wo nicht. Der politische Mensch braucht dazu aber eine Reflektionsfähigkeit, die starre ideologische Prinzipien mit der flüssigen Realität vereinen kann. Nur so kann dem vertechnisiertem Denken entkommen werden. Das Revolutionäre, das hoffentlich in dem einen oder anderen von uns schlummert, muss aber auch bereit sein, Zugeständnisse zu machen.</p>
<p>Dass das orthodox-liberale Kredo zu einer solchen Einsicht nicht in der Lage ist, zeigt die momentane Krise. Von ernsthaften Zugeständnissen spricht niemand, nicht an den Universitäten, nicht in den Fabriken oder Vorstandsräumen. Es findet keine Politik statt. Stattdessen  beginnt ein defensives Antworten auf die gegenwärtigen, exzessiven Bedürfnisse der von uns geschaffenen Ordnung. Die Einhaltung des Sachzwanges bedeutet nicht zugleich die Einhaltung des Status Quo. Nur darf dieser Wandel nicht mit einem Wandel unseres Denkens verwechselt werden. Es ist also wiederum nur das schon vorbestimmte Denken, das unser Handeln leitet. Das erdrückende Übergewicht der ökonomischen Denkweise in den Köpfen von uns allen muss ausbalanciert werden. Und das muss durch <em>politisches</em> Handeln geschehen.</p>
<p>HA</p>
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		<title>Lesenswert</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Jun 2009 18:48:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>projektwortbruch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Sammlung von Texten, die die Wortbruch-Aufmerksamkeit erregt haben. Als Lesetipp, Anregung zum Widerspuch oder als auslösender Gedanke für einen eigenen Text. &#62;&#62; Ein Text des im Juni 2009 verstorbenen Ralf Dahrendorf mit einer diskussionwürdigen Interpretation &#8220;der Krise&#8221;. &#62;&#62; Eine Außenansicht von Erhard Eppler zum Thema &#8220;Alte Heilslehren als neuer Sachzwang&#8221;<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=projektwortbruch.wordpress.com&amp;blog=8150481&amp;post=1&amp;subd=projektwortbruch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Sammlung von Texten, die die Wortbruch-Aufmerksamkeit erregt haben. Als Lesetipp, Anregung zum Widerspuch oder als auslösender Gedanke für einen eigenen Text.</p>
<p>&gt;&gt; Ein Text des im Juni 2009 verstorbenen Ralf Dahrendorf mit einer <a href="http://www.online-merkur.de/seiten/lp200905a.php">diskussionwürdigen Interpretation &#8220;der Krise&#8221;</a>.</p>
<p>&gt;&gt; Eine Außenansicht von Erhard Eppler zum Thema <a title="&quot;Alte Heilslehren als neuer Sachzwang&quot;" href="http://www.sueddeutsche.de/politik/354/482805/text/" target="_blank">&#8220;Alte Heilslehren als neuer Sachzwang&#8221;</a></p>
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